Mein Jahr 2011.

Wir haben Dezember und am letzten Wochenende erreichte mich der erste Schnee in Hamburg. Die Blogger fangen an, ihr Jahr zu reflektieren und da mein Jahr alles andere als “Standard” war, möchte ich auch alles noch einmal revue passieren lassen.

Januar 2011

Ich verbringe Weihnachten und Silvester krank auf meiner Couch. Und freue mich, dass ich wieder ins Büro zurück darf. Frage mich gleichzeitig, ob ich das alles den Rest meines Lebens tun möchte.

Februar 2011

Der Herr Vater feiert seinen 60ten Geburtstag. Rollentausch der Eltern und Kinder. Auf einmal ist alles so anders. Ich habe wieder Lust Nebelfotos zu machen. Gehe los und freie mir die Eier ab. Ich fotografiere die Bar eines Freundes.

März 2011

Ich will wieder mehr fotografieren. Gleichzeitig werde ich das Gefühl nicht los, dass ich meinen Weg noch nicht gefunden habe.

Ich beschließe einen Workshop für Hochzeitsfotografie in Hamburg zu buchen. Bei Steffen “Stilpirat”. Er schien mir aufgrund seiner Blogeinträge sympathisch. Ich komme bei diesem Workshop in den Raum. Freue mich, so viele nette Fotografen kennenzulernen und unterhalte mich ca. 15 Minuten bei einem ersten Kaffee mit Steffen. Innerhalb dieser 15 Minuten ist mir schon klar, warum dieser Mensch so ein wahnsinnig gefragter Hochzeitsfotograf ist. Alle Teilnehmer eröffnen den Tag mit einer Runde in der jeder sagen darf warum er an diesem Workshop teilnimmt. Viele begründen ihre Teilnahme mit Angst vor der großen Verantwortung. Steffen legt mit seinem Programm los und ich weiß noch ziemlich genau was ich den Rest des Tages dachte. “Ja, er hat völlig Recht. Ja, es eigentlich ganz logisch.”

Abends erzähle ich meiner Freundin und deren Freunden von meinem Tag und bemerke wie ich ins Schwärmen gerate. Ins Schwärmen über einen Kerl, der mich von Anfang an von seiner Begeisterung, Leidenschaft und Fachkompetenz überzeugte. Und gleichzeitig ins Schwärmen über einen anstrengenden Beruf, der dir all deine Wochenenden nehmen und gleichzeitig so viel tolle Momente dafür zurückgeben wird. Ich mach das auch!

April 2011

Meine alte Website war eine Zeit lang wie mein Verhältnis zur Fotografie. Eingeschlafen. Der erste Schritt war also das alte Ding zu verbrennen und sich wie Phoenix aus dem Dreck (oder so ähnlich) zu erheben. Da ich mich ja gerne mit Websites und hübschen Dingen im Internet beschäftige, habe ich auch noch viel Spaß dabei. Ich bekomme positives Feedback und freue mich sehr darüber.

Mein iPhone wäre beinahe durch einen schlimmen Unfall ums Leben gekommen.

Ich verbringe das Osterwochenende mit der Herzdame an der Ostsee und freue mich, dass endlich die Liebe zur Fotografie wieder entflammt ist.

Mai 2011

Das hier feiert seinen ersten Geburtstag. Ich freue mich über meine anhaltende Motivation Inhalt hier reinzuquetschen und fühle mich durch Michael Dell inspiriert.

ICH WILL MEHR FOTOGRAFIEREN. Deshalb werde ich Fotos von Unleash The Sky machen, um die Jungs vor ihrem Auftritt beim Schlossgrabenfest 2011 in Darmstadt besser kennenzulernen.

Juni 2011

Ich bin mit Unleash The Sky beim Schlossgrabenfest 2011. Fotoreportage. Liveauftritte von Bands sind die Fotografie-Hölle. Schnellwechselndes Licht. Springende zappelnde Bandmitglieder. Groupies, die einen von hinten anschreien während man im Graben seine Arbeit tun will. Ich mag es und möchte es wieder tun! Ich denke, das Video sagt alles.

Juli 2011

Ich fotografiere die erste Hochzeit nach dem Workshop. Ich bin völlig gelassen, weil ich weiß, dass wir beim Probeshooting alles besprochen haben. Die beiden sind wundervoll zusammen und es wird ein großartiger Tag. Es läuft einfach so durch. Als hätte ich nie etwas anderes getan. Zwei Wochen nach der Trauung. Die beiden sind aus den Flitterwochen zurück und ich komme stolz wie Oskar mit den Fotos und dem Hochzeitsalbum bei ihnen vorbei. Sie haben mir Wein als kleines Dankeschön mitgebracht. Die Braut bekommt feuchte Augen als sie das Album durchblättert. Scheiße, ich will nie wieder etwas anderes fotografieren!

Ich will mehr. Ich will etwas Außergewöhnliches. Ich will etwas, dass man so auf der eigentlichen Hochzeit nicht fotografieren kann. ‘After Wedding Shooting’, um es auf denglisch zu sagen. Es heiratet ein Paar, von dem ich weiß, dass es außergewöhnlich ist. Ich rufe die beiden an und sage “Ich fotografiere euch fahrend auf eurem Motorrad. Alles was ihr dazu tun müsst ist einen Tag lang noch mal die Klamotten anzuziehen und vollkommen mit mir durchzudrehen.” Gesagt, getan.

August 2011

Die Entscheidung ist gefallen. Ich stelle mein Berufsleben einmal auf den Kopf, um zu sehen was unten rausfällt. Nach vielen Jahren beschließe ich nicht nur den Job, sondern einfach gleich die ganze Branche zu wechseln. Ich will wieder Dinge tun, die mir Spaß machen. Ohne die großen Worte der Herzdame hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht. Man braucht einfach eine Person, die einem hinter den Kulissen in den Arsch tritt.

Ich bin alt.

Bei meiner Hochzeitsreportage am Rhein, begleite ich das Paar den ganzen Tag. Während des Vorgesprächs und des Probeshootings bin ich nicht nur der Fotograf. Ich bin auch Weddingplanner, Wetterschönreder, Zuhörer und Motivator. Während des Hochzeitstages bin ich ein Freund. Scheiße, ich will nie wieder etwas anderes fotografieren!

September 2011

Ich fange meinen neuen Job an. Mache irgendwas mit Internet und bin auf ganzer Linie zufrieden. Ein Team mit tollen Menschen und ein Arbeitgeber, der sich gut um seine Angestellten kümmert. Was will man mehr?

Ich fotografiere eine Hochzeit über die ich keinen Blogeintrag schreibe. Der Hochsommer holt uns an diesem Wochenende ein. Bei schwülen 32° und 200% Luftfeuchtigkeit laufe ich mit dem Hochzeitspaar während des Paarshootings durch Darmstadt. Noch nie in meinem Leben ist mir ständig so viel Schweiß in die Augen gelaufen.

Notiz an mich: Hochzeitsfotografie ist körperlich anstrengende Arbeit und nichts für Weicheier. Ich will nie wieder etwas anderes fotografieren!

Eigentlich bin ich als Gast auf einer Hochzeit eingeladen, der einfach mal die Kamera und zwei Objektive in den Kofferraum gepackt hat. Am Standesamt angekommen ist der “eigentliche” Fotograf aber nirgends zu sehen. Man kann die Panik in den Gesichtern des Hochzeitspaares schon sehen. “Der Fotograf steht im Stau!” war gleich der zweite Satz nach dem “Schön, dass ihr da seid”. Ich schultere also meine Kamera und übernehme den Job bis der Herr Kollege eintrifft. Ich habe die anderen Bilder nie gesehen, aber eins von meinen hat es auf die Dankeskarte geschafft. Scheiße, ich will nie wieder etwas anderes fotografieren!

Oktober 2011

Die Hochzeit in Nauheim. Ich habe mein eigenes Tischkärtchen und freue mich über diese Kleinigkeiten. Ich darf eine ganz wundervolle junge Familie kennenlernen und die große ganze Familie den Tag über begleiten. Sie spielten Spiele und tanzten bis die Füße schwarz waren. Wir machen Fotos auf einem Kinderspielplatz und an einem riesigen See. Wieder zu Hause angekommen war ich völlig am Ende, aber glücklich. Scheiße, ich will nie wieder etwas anderes fotografieren!

November 2011

Die Hochzeitssaison ist vorbei und ich genieße meine Wochenenden. Zum Beispiel den grandiosen Roadtrip mit dem VW Bulli und der Herzdame. Hach, warum sind die Dinger nur so teuer… (nicht die Herzdamen, sondern die Bullis)

Die Knackscharftour 2011 steht an und beim Stop in Frankfurt lerne ich nicht nur Paddy kennen, sondern treffe auch Steffen wieder. Er hat von all seiner Begeisterung nichts verloren. Ich unterhalte mich mit anderen tollen Fotografen. Wir tauschen uns aus, freunden uns an, beschließen zusammen zu arbeiten. Es ist immer wieder klasse, sich mit anderen Fotografen austauschen zu können, die nicht von Neid und falschem Stolz zerfressen sind. Ein tolles Wochenende.

Dezember 2011

Es sind viele tolle Dinge passiert in diesem Jahr und ich bin für all das dankbar. Ich freue mich auf das kommende Jahr in meinem neuen Job und die Hochzeitssaison 2012. Durch einige Vorgespräche konnte ich schon ganze tolle Paare kennenlernen und eigentlich finde ich es zum Kotzen, dass ich noch so lange bis zu den Hochzeitsterminen warten muss. Die Herzdame schlägt bei der Anzahl der feststehenden Termine schon die Hände über dem Kopf zusammen und droht mir mit Schlägen, aber ich weiß, dass sie mich unterstützt, weil sie großartig ist.

Was soll ich sagen…besser kann ein Jahr nicht sein.